Delta4U Consultants
Delta4U Consultants
Direkt zum Seiteninhalt

Corona, lessons to learn

Delta4U Consultants_WWW_DE
Veröffentlicht von Oliver Ruoff · 24 August 2020
Was kommt nach „Zeiten wie diesen“? – ändert sich die Welt nach Corona und vor dem nächsten Virus?
 
 
Nach Rinderwahnsinn, Vogelgrippe, Influenza B, … grassiert jetzt COVID 19. Die Abfolge von Pandemien oder auch überregionalen Epidemien wird offensichtlich immer kurzzyklischer. Es stellt sich also für jedes Unternehmen die Frage wie man sich nicht nur auf Covid 19 sondern insgesamt auf die Kollateralschäden einer Pandemie, also Lock-down, Käuferunsicherheit, Supply-Chain Probleme einrichten soll. Wir sind zwar noch mitten in der schwierigen Corona-Phase aber es ist sicher nicht zu früh oder gar unnütz sich zu den lessons-learned Gedanken zu machen.
 
Für mich als Dienstleister mit dem Thema Unternehmensberatung waren die letzten Monate ein Super-GAU. Die meisten meiner Kunden haben, sinnvollerweise, auf Kostenmanagement umgestellt. Dabei kommen alle variablen Kosten auf den Prüfstein und werden nach kurzfristigen Kosten-Nutzen-Aspekten entschieden. Das bedeutet für einen Unternehmensberater, dass alle mittel- bis langfristigen Themen gestoppt werden. Da ich in jedem Projekt auch „Quick-Wins“ beinhaltet habe und ebenso Management auf Zeit anbiete ging es glücklicherweise nicht auf 0. Aber der Umsatz ging doch um ca. 50% zurück. Also strukturell.
 
Meinen Kunden ging oder geht es teilweise aber noch schlechter. Viele Unternehmen in Automotive oder dem zuliefernden Maschinen- und Anlagenbau geht haben deutlich mehr Probleme. Die Unterstützung durch KfW Kredite hilft zwar aber Zins und Tilgung stehen trotzdem an. Je nach Rating beträgt der Zins immerhin 3%. Aber zumindest die Liquidität ist gesichert.
 
Um allerdings mittelfristig wieder gesund dazustehen und alle Verbindlichkeiten bedienen zu können bedarf es mehr. Die komplette Unternehmensstrategie ist zu überdenken und auf der Basis sollte überlegt werden, ob die aktuelle Situation nicht genutzt wird um „Ballast“ abzuwerfen. Das kann, wenn auch unschön, bis hin zu einer Planinsolvenz als Lösungsweg führen.
 
Aber davor muss zuerst überlegt werden wohin das Unternehmen sich ausrichten soll um ähnliche Situationen in Zukunft besser zu meistern. Und dazu macht es Sinn vom Markt her zu denken. Und der Markt wird insbesondere in Zeiten mit geringer Konjunktur geprägt durch das Kaufverhalten der Endverbraucher. Zum Beispiel hat Apple mit ihren „Life-Style“ Produkten im Juni 2020 >10% mehr Umsatz gemacht als im Juni 2019. Amazon hat mit seinem Online Geschäft seinen Nettogewinn Q2 2020 im Vergleich zu Q2 2019 gerade mal verdoppelt. Demgegenüber haben insbesondere die Automobil OEMs ihre liebe Not. Stimmt nicht ganz. So hat Tesla den Umsatz gegenüber 2019 in Q2 ungefähr gehalten und die Profitabilität deutlich erhöht. Dabei ist natürlich auch zu beachten, dass die Automotive-OEMs mit geringem E Anteil bereits seit Ende 2019 schwierige Zeiten haben.
 
Was kann man daraus lernen? Wo gibt es auch in solchen Zeiten Chancen? Kann man dadurch das bestehende Business anreichern oder gar ersetzen?
 
-   Produkte die begehrt sind laufen trotz Widrigkeiten. Argumente für den Kauf sind entweder empfundener Nutzen (Tesla) oder auch     einfach der Wunsch es zu besitzen wie bei Apple.
 
- Dienstleistungen die, bei empfunden gutem Preis-Leistungs-Verhältnis bequem sind wie bei Amazon oder anderen     Online- Versendern.
-   Natürlich ist in der Corona Zeit alles gefragt das den Sicherheitsaspekt bedient. Also Mund-Nase Masken,… . Das halte ich
allerdings für zu spezifisch um daraus zu lernen.
 
-   Freizeitartikel wie E-Bikes oder auch Computergames dienen der Ablenkung oder auch dem gefühlten Gesundheits-Aspekt.
 
-   Reparaturen entweder als Artikel für Reparaturen an Haus oder Auto,…
 
-  Mittel- bis langfristig werden auch Automatisierungslösungen zur Entkopplung von der menschlichen Arbeitskraft noch mehr ein     Trend sein.
 
-   Je nach Länge der Corona Einschränkungen wird sich der Homeoffice-Ansatz stabilisieren. Damit sind dann Homeoffice Lösungen in     Hard- und Software gefragt. Ebenso leistungsstarke Server.
 
-   Ebenso sind Themen gefragt, die zum Aufbau von Infrastruktur wie Straßen, Netze,… dienen. Hier ist es der Bund der versucht die     Konjunktur etwas anzukurbeln.
 
-   Mittelfristig sind natürlich auch im Automotive Bereich wieder stärkere Bedarfe zu erwarten. Das liegt an der Umstrukturierung im     Bereich Antriebstechnologie und autonomes Fahren. Dazu benötigt es allerdings hoher Investitionen.
-   In den konjunkturanfälligen Branchen wird es wahrscheinlich zu einer Konsolidierung kommen. Das bietet Chancen für
kapitalstarke Unternehmen die den Gap aushalten können.

 
Bereits diese, zugegeben etwas unstrukturierte Aufzählung zeigt, dass es durchaus interessante Chancen gibt. Dabei sollte nicht nur auf den letzten Schritt B to C geachtet werden. Die ganze Lieferkette, neudeutsch „Supply-Chain“ sollte beachtet werden. So fertigt Apple seine Produkte nicht selbst, der Lieferant der Produkte fertigt die Komponenten nicht selbst, der Hersteller der Komponenten fertigt die Maschinen und Anlagen nicht selbst, etc.. Diese Lieferketten sollten mit mehr Information angereichert werden. Also Wettbewerbsintensität, Stärke der Wettbewerber, Umsatzvolumen und Profitabilität, Eintrittsbarrieren,… . Auf der Basis können potenzielle Geschäftsfelder identifiziert werden. Diese müssen aber noch lange nicht sinnvoll sein. Erst nach einer eingehenden Betrachtung von Aufwand und Nutzen lässt sich das beurteilen.

 
Lesson learned 1: Es gibt Chancen in der Krise. Diese müssen sorgfältig bewertet und rasch umgesetzt werden. Dazu müssen etablierte                             Geschäftsmodelle überdacht werden.

 
Rasch umsetzen geht natürlich nicht von heute auf morgen. Heutige Strukturen und Ressourcen sind nun mal wie sie sind. Für die Zukunft und die nächste ähnliche Situation sollte man allerdings auf mehr Flexibilität achten. Solange alles schön läuft ist z.B. eine hohe Wertschöpfungstiefe eine tolle Sache. Die Marge bleibt im eigenen Haus. Sobald das Marktumfeld aber schwierig wird ziehen die Fixkosten den Profit schnell nach unten. Das gleich gilt für die Personalkosten die in Deutschland ja quasi fix sind oder eben teuer anzupassen. Deshalb sollte die Wertschöpfungstiefe strategisch, betriebswirtschaftlich und auch unter Berücksichtigung deutlicher Umsatzschwankungen festgelegt werden. Dabei gibt es keine schwarz-weiß und ebenso sind unterschiedliche Oursourcing-Modelle möglich. Von der kompletten Fremdvergabe bis zu einem 70% Modell bei dem „nur“ ca. 30% des Volumens fremdvergeben wird um Spitzen abzufedern ist die Bandbreite weit.

 
Lesson learned 2: Flexibilität kostet zwar Marge und Effizienz in stabilen Zeiten bringt aber Luft zur Anpassung in volatilen Zeiten.                                   Deshalb sollte die Wertschöpfungstiefe unter strategischen und betriebswirtschaftlichen Aspekten angepasst werden.

 
Vorhin habe ich bereits die Lieferkette angesprochen. Auch hier gab es einiges, teilweise leidvoll, zu lernen. Eine wahrscheinlich zu deutliche Fokussierung auf Lieferanten in China hat dazu geführt, dass noch bevor Corona bei uns war die Lieferkette aus China abgerissen ist. Absicherungsstrategien können ein evtl. teilweises Insourcing sein oder der Aufbau regional unterschiedlicher Lieferketten. Wie oben erwähnt führt ein Insourcing zu einem Aufbau von Fixkosten und damit einer Reduktion der Flexibilität. Allerdings ist ein teilweises Insourcing insbesondere dann denkbar, wenn die Herstelltechnologien im Haus sind und nicht strukturell investiert werden muss.

 
Lesson learned 3: Differenzierte, regional unterschiedliche Lieferketten führen zu mehr Stabilität.

 
Je nach Veränderungsgrad der strategischen Ausrichtung, der Wertschöpfungstiefe und auch der Lieferketten ist zusätzlich die Organisation des Unternehmens anzupassen. Das gilt für die kompletten Leistungsketten vom Marketing/Vertrieb bis zur Beschaffung.
 
Alle konzipierten Veränderungen müssen in Aufwand-Nutzen bewertet werden. Auf der Basis können die sinnvollen Veränderungen entschieden und ein Realisierungsplan mit Cash-Flow geplant werden.

 
Insgesamt ein „strammer“ Fahrplan, der natürlich auch mit Risiken verbunden ist. Auch deshalb sind dafür Kapital und Ressourcen notwendig. Ist beides nicht oder nicht mehr vorhanden muss der Weg anders aussehen. Dann geht es darum zu überleben und auf die Zeit nach Corona zu hoffen. Trotz Soforthilfe, Kurzarbeit und KfW Kredit gilt es dann schnell die Kosten in den Griff zu bekommen und Liquidität zu schützen. Das gilt ums mehr je länger die Situation andauert. Und dabei gehen nicht wenige von gut 2 Jahren bis zu einer wo möglichen Normalisierung aus. Für diesen Zeitraum ist die Soforthilfe zu gering, die Kredite müssen bedient werden und das Kurzarbeitergeld wird irgendwann zum alten Modell zurückgedreht werden.

 
Sollten Sie anderer Meinung sein, Ergänzungen haben oder auch zustimmen, dann freue ich mich über Ihr Feedback unter oliver.ruoff@delta4u.de.

 
Beste Grüße und viel Erfolg
 
Bleiben Sie Gesund!



Kein Kommentar
Zurück zum Seiteninhalt